"caminolobo" (Der Wolfsweg)
Die ewigen Irrtümer in der Hundeerziehung und Ausbildung
Vorab muss eines erwähnt werden, was an sich schon extrem beschämend ist: Nahezu kein Hundetrainer ist sich über den immensen Unterschied zwischen Erziehung und Ausbildung bewusst.
Erziehung ist die Basis die dem Hund ermöglicht, in einer Gemeinschaft sozialverträglich zu leben. Erziehung hat viel mit Einschränkung zu tun, da das erste, was der Welpe lernen muß, die Akzeptanz eines Verbotes ist.
Ausbildung hingegen hat viel mit positiver Verstärkung zu tun, da der Hund hierbei etwas Erlerntes auf Abruf möglichst freudig zeigen soll.
Auch ich bin erst durch das Studium meiner Wölfe auf die Wichtigkeit dieser Unterscheidung gestossen. In meinen Anfangsjahren als Hundetrainer habe ich denselben Unsinn gemacht, wie alle anderen und habe diesen Unsinn auch an meine Schüler weitergegeben. Nach einiger Zeit aber fiel mir auf, dass ich mit den herkömmlichen Methoden nicht immer den gewünschten Erfolg erzielte. Also probierte ich „neue“ Methoden aus. Egal, ob mit Clicker, Futterverstärkung, Spiel oder was es noch alles gab und gibt – ich war unzufrieden mit dem Ergebnis. Alles dauerte zu lange und war auch nicht 100%ig sicher abrufbar. Vor allem aber wurde mir klar, dass ich den Hund genauso wenig wie alle anderen Ausbilder verstanden hatte.
Um nun mehr über Hunde und ihre natürlichen Verhaltensweisen zu erfahren, wandte ich mich den Wölfen zu, da diese als Urväter unserer heutigen Haushunde ein perfektes Studienobjekt für mich waren. Ich habe alle verfügbaren Bücher gelesen, Wölfe in Zoos und Parks beobachtet und hoffte dann, diese Erkenntnisse auf Hunde „Übersetzen“ zu können.
Leider aber wurde mir bewusst, dass ein Studium dieser Wölfe in Gefangenschaft völlig unsinnig war, da diese überhaupt kein artspezifisches Verhalten an den Tag legen konnten. Auch wurde mir klar, dass praktisch alles, was ich über Verhaltensforschung an Wölfen gelesen hatte ziemlicher Quatsch war. Das Problem ist, dass man Wölfe in freier Wildbahn nicht wirklich studieren kann, da man sie zu selten antrifft. Wölfe in Gefangenschaft sind meist partiell domestiziert und zeigen artfremdes und asoziales Verhalten. Also musste ich meine Studienobjekte selbst aufziehen um ehrliche Verhaltensforschung betreiben zu können.
Die Wölfe im LOBO PARK sind zwar zum großen Teil mit der Hand aufgezogen, um ihnen die angeborene Scheu vor Menschen zu nehmen und sie stressfrei beobachten zu können, jedoch wurde in keiner Weise auf ihre natürlichen Verhaltensweisen Einfluss genommen. Wir sind weltweit die ersten und einzigen, die gewagt haben Wolfsrudel ohne Dominanz groß zu ziehen und zu halten. Das heißt, wenn ich die Gehege betrete, werde ich wohl freudig begrüßt, doch zeigen die Wölfe keinerlei submissives Verhalten, da ich nicht ihr Chef bin. Ich bin für sie mehr eine Art außerirdischer Freund, der gerne gesehen ist. Dadurch war es mir erstmals möglich Wolfsrudel sehr nahe und unter praktisch natürlichen Bedingungen zu studieren. Diese Erkenntnisse sind hochinteressant und lassen sich hervorragend auf Hunde umsetzen.
So hat sich mit der Zeit eine völlig „neue“ Methode für die Erziehung und Ausbildung von Hunden entwickelt, die im Endeffekt die älteste und natürlichste von allen ist - caminolobo (Der Weg der Wölfe)
Die Art und Weise, wie zum Beispiel der Alphawolf mit seinen Rudelmitgliedern umgeht ist einzigartig. Als uneingeschränkter Rudelführer ist er lange nicht so aggressiv- dominant wie man glauben sollte. Vielmehr handelt es sich eher um eine Dominanz durch Ignoranz. Er kontrolliert seine Untergebenen nicht permanent – er geht vielmehr davon aus, dass sie sich wohl verhalten, da es ja zu ihren Pflichten im Rudel gehört, in der Gemeinschaft sozialverträglich und förderlich zu sein.
Er arbeitet weder mit Clicker noch mit Futter oder Stachelhalsband und trotzdem funktioniert das Rudel perfekt.
Es herrschen strenge Regeln in einer klaren Hierarchie und trotzdem ist der Umgang eher liebevoll, da die Alphatiere des Rudels keine machtbesessenen, egoistischen Diktatoren sind, sondern genauso wie jedes andere Mitglied wissen, dass sie nichts sind, ohne das Rudel.
Die Zugehörigkeit zum Rudel ist überlebenswichtig, weshalb sich auch jeder Wolf Mühe gibt, nicht ausgestoßen zu werden. Hierin liegt auch das Geheimnis der unglaublichen Anpassungsfähigkeit unserer Hunde.
Leider heißt das aber auch, dass Hunde sich auch schlechten Führern anpassen, was uns viele Probleme bereitet. Sicherlich lassen sich Hunde auch mit Zwang ausbilden, doch das Ergebnis ist immer traurig. Hunde lassen sich auch mit Futter und rein positiver Verstärkung ausbilden, doch sind sie unzuverlässig im Ernstfall und ihnen fehlt klare Führung.
Die einzig Vernünftige Art mit Hunden zu arbeiten, ist eine Mischung aus Dominanz, Respekt und Zuneigung – eben so, wie uns die Wölfe es vormachen.
Bei der Anwendung des „caminolobo“ fällt eines auf. Hunde lernen extrem viel schneller und zuverlässiger mit viel weniger Zeitaufwand. Dabei spielt es keine Rolle, wie alt der Hund ist. Ehemaliges Fehlverhalten wird bereinigt und der Hund fühlt sich in einer straffen Organisation mit klaren Regeln das erste Mal sicher und wohl. Aus diesem Grund erhöht sich auch die Lernfähigkeit und Lernbereitschaft immens.
Ausschlaggebend ist, dass der Hund das Erlernte wirklich verstanden hat und nicht durch immerwährende Konditionierung nur stumpf wiederholt, wie das oft auf dem Hundeplatz zu beobachten ist. Die Hunde gehorchen gut auf dem Platz, doch im Privatleben versagen sie oft komplett.
Hundehalter haben eigentlich immer nur zwei „Grundprobleme“: Entweder ist der Hund verwöhnt und sozial übersättigt. Das führt dazu, dass wir ihm nicht wirklich wichtig sind, er eigentlich macht, was er will und sein „Rudel“ durch vielfältiges Fehlverhalten (endloses kläffen, Zerstörungswut, Leine ziehen, ungehorsam, grundlose Aggression, Ängstlichkeit, Unreinheit, etc.) terrorisiert.
Oder der Hund ist durch zu harte und unfaire Behandlung so ängstlich und unsicher geworden, dass er kein echtes Vertrauen zu uns hat und somit zu Fehlverhalten (endloses kläffen, Zerstörungswut, Leine ziehen, ungehorsam, grundlose Aggression, Ängstlichkeit, Unreinheit, etc.) neigt. Merken Sie was? Es sind oftmals die gleichen Auswirkungen.
Das schlimmste aber was dem Hund passieren kann ist, wenn sich diese beiden „Probleme“ vermischen. Ein Besitzer, der seinen Hund einerseits zu stark verwöhnt und andererseits unverhältnismäßig hart für Fehlverhalten bestraft. Das ist der pure Horror für den Hund.
Wir denken, dass z.B. das Ziehen an der Leine ein Problem ist. Jeder herkömmliche Hundeausbilder wird Ihnen das auch weiterhin erzählen und er hat sicherlich eine Lösung parat. Üben, üben und nochmals üben. Mit Belohnung, mit Strafe, mit allem Möglichen. Das füllt die Kassen Ihres Trainers und bringt trotzdem nichts. Das Problem an diesem Problem ist, dass dieses Problem nicht das Problem ist, sondern eine Auswirkung. Wir sollten uns fragen, warum der Hund zieht. Warum will er von uns weg? Warum sind wir nicht wichtig genug?
Ganz einfach: WIR SIND SCHLECHTE FÜHRER!
Für all das gibt es nur eine Lösung.
Wir haben als Hundehalter eine sehr große Verantwortung. Nicht nur dem Tier gegenüber, sondern auch unserem Umfeld. Wenn wir einen Welpen kaufen, müssen wir davon ausgehen, dass wir ca. 12 Jahre lang mit ihm zusammenleben werden. Wir wollen diese Zeit genießen gemeinsam mit dem Hund. Und auch dürfen wir andere damit nicht belasten – im Gegenteil es sollte eine Bereicherung auch für unsere Mitmenschen sein.
Aus diesem Grund haben wir die Verpflichtung unseren Hund vernünftig zu erziehen, damit er sein Leben lang sozialverträglich mit uns und anderen leben kann.
Das funktioniert aber nur, wenn wir endlich lernen Hunde zu verstehen und ihre Bedürfnisse zu erkennen.
Unsere Hunde brauchen Verständnis, klare, respektvolle Führung und Zuneigung, die ihnen Sicherheit gibt. Unter diesen Voraussetzungen wird jeder Hund zum perfekten Partner. Wir brauchen weder Futter, noch Clicker, noch Stachelhalsband um mit unseren Hunden erfolgreich zu arbeiten. Wir haben Stimme, Mimik wie auch Hände und Arme um uns verständlich zu machen. Die Anerkennung, die wir geben, ist Akzeptanz durch physische Nähe. Wichtig ist nur, dass wir eines verstehen: WIR müssen die Sprache der Hunde lernen – sie werden unsere Sprache nie erlernen können.
Gehen wir also zurück zu den Wurzeln – lernen wir von den Wölfen – und -zum Wohle unserer Hunde - gehen wir den Weg der Wölfe.





